Ursachen

Gleich vorab ist wichtig zu wissen, dass Gelenkschmerzen ein Symptom von vielen verschiedenen Erkrankungen im Bereich der Gelenke sind. Hierbei kann es sich unter anderem um  Entzündungen, Verschleißerscheinungen oder Stoffwechselstörungen handeln. Dies sind nur drei Beispiele. Insgesamt kennt man in der Medizin bis zu vierhundert verschiedene Krankheiten, die mit Gelenkschmerzen einhergehen. Das lässt bereits erahnen, wie komplex die Fahndung nach den Ursachen ist. Eine genaue Diagnose ist jedoch unerlässlich, um die Beschwerden wirksam behandeln zu können.

»Rheuma« – ein weiter Begriff

»Rheuma« – ein weiter Begriff

Die Erkrankungen, die Gelenkschmerzen verursachen, werden umgangssprachlich meist unter dem Begriff »Rheuma« zusammengefasst. Er leitet sich ab vom Griechischen »rheumatismos« und bedeutet übersetzt so viel wie »fließender, ziehender Schmerz«. Der ist auch für viele rheumatische Erkrankungen typisch, dennoch: Rheuma steht nicht für eine einzige, sondern für an die vierhundert verschiedene Gelenk-, Knochen- und Weichteilerkrankungen. Diese sind zum Teil ähnlich, zum Teil aber vollkommen unterschiedlich – sowohl was ihre Symptome, ihre Ursachen wie auch ihren Verlauf und demzufolge ihre Behandlung anbelangt. Zudem beschränken sich rheumatische Erkrankungen nicht allein auf den Bewegungsapparat: fast alle Organe und Gewebe des Körpers können davon betroffen sein. Denn bei »Rheuma« sind die Strukturen des Bindegewebes erkrankt, und das ist überall im Körper vorhanden.

Chronisch entzündete Gelenke

Der häufigste Grund dafür, dass die Gelenke schmerzen, sind chronische Entzündungen. Dazu kommt es im Zuge der so genannten rheumatoiden Arthritis, auch »entzündliches Rheuma« genannt. Dabei ist die Innenhaut des Gelenks, die Synovialis, dauerhaft entzündet. Dadurch beginnt sie zu wuchern und bildet kleine Zotten – ähnlich wie bei einer Seeanemone (siehe Bild). Im weiteren Verlauf schwillt die Gelenkinnenhaut an und zerstört nach und nach die Gelenkkapsel. Darüber hinaus können auch die Sehnen, die zu den Gelenken führen, durch die chronische Entzündung geschädigt werden. Meist treten die rheumatischen  Gelenkentzündungen zwischen dem 35. und 45. Lebensjahr sowie jenseits der Sechzig auf. Prinzipiell können allerdings alle Altersgruppen betroffen sein – selbst Kleinkinder.

Chronisch entzündete Gelenke
Seeanemone (links) und entzündete Gelenkinnenhaut (rechts)

Auslöser der Entzündungen ist eine Autoimmunerkrankung, die zu einer Fehlsteuerung des Immunsystems führt. Im Zuge dessen werden Stoffe gebildet, die körpereigenes Gewebe angreifen und chronische Entzündungen verursachen. Diese betreffen allen voran die Gelenke, besonders an den Händen und Füßen, und können diese mit der Zeit vollkommen zerstören. Aus diesem Grund müssen die entzündlichen Prozesse an den Gelenken so bald wie möglich gestoppt werden. Zumal sie auch weitere wichtige Gelenkstrukturen wie Knorpel und Knochen beschädigen oder gar zerstören können.

Abnutzung: Arthrose

Die Zeit geht auch an den Gelenken nicht spurlos vorüber, denn Verschleißerscheinungen sind ebenso eine Ursache für Gelenkschmerzen. Durch ungleichmäßige oder zu starke Belastung kommt es mit der Zeit zu Schäden am Knorpelüberzug des Gelenks. Dieser so genannte »Knorpelschaden« ist Ausgangspunkt der Arthrose: Die Knorpelmatrix wird immer dünner, reißt hier und dort ein und rauht auf. Diese Schäden sind zunächst meist nur auf kleine Flächen begrenzt – doch auch sie führen zu entscheidenden Veränderungen im Gelenk. Die noch gesunden Knorpelareale müssen die Aufgaben der geschädigten miterfüllen – sprich, die Belastung mittragen. Dadurch ruht auf einigen Abschnitten des Gelenks eine Zusatzlast. Das bleibt auf Dauer nicht ohne Folgen: Die unter den erkrankten Knorpelbereichen liegenden Knochen werden angegriffen. Im Röntgenbild erkennbar durch Verdichtungen und Verhärtungen. Indem der Knorpel nach und nach zurückgeht, wird der Druck auf den darunter liegenden Knochen immer höher. Das einzige Mittel, ihn auszugleichen, ist ihn besser zu verteilen: Die Gelenkfläche vergrößert sich und bildet dazu knöcherne Ausziehungen, Osteophyten genannt. Diese Auswüchse sind vielfach tastbar und sogar von außen am Gelenk zu sehen.

Die zwei Gesichter der Arthrose

  • Primäre Arthrose:
    Dabei handelt es sich um Arthrosen, die ohne ersichtlichen Grund auftreten. Die genauen Ursachen sind allerdings noch nicht ausreichend erforscht. Sehr wahrscheinlich handelt es sich um ein multifaktorielles Geschehen. Eine der möglichen Ursachen ist sehr wahrscheinlich eine genetische Veranlagung.
  • Sekundäre Arthrose:
    Die häufigere Ausprägung, deren Hintergründe einfacher zu definieren sind: Äußere Faktoren wie Bewegungsmangel, Übergewicht oder aber Vorerkrankungen wie Sportverletzungen, Stoffwechselstörungen oder Infektionen. Meist steht eine Kombination aus mehreren Ursachen hinter dem Krankheitsgeschehen. Diese sollten möglichst genau identifiziert werden, um gezielt in den Abbauprozess eingreifen zu können.

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